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13.01.2002
Neujahrsempfang der Freiwilligen Feuerwehr Breitenstein zum 125jährigen Jubiläum
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[1] Viele BürgerInnen und Gäste besuchten den Neujahrsempfang am 13.01.2002
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[2] Musikalische Begrüßung durch Anja Breuer am Klavier
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[3] Wolfgang Ehrmann, Abteilungskommandant Breitenstein
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[4] Bürgermeister Andreas Brand bei seiner Festansprache
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[5] Feierliche Geschenkübergabe
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[6] Bewirtung mit passender Dekoration
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Im Rahmen eines Neujahrsempfanges hat die Abteilung Breitenstein ihr Jubiläumsjahr in der Breitensteiner Halle eröffnet. Viele Ehrengäste sowie Bürgerinnen und Bürger waren der Einladung gefolgt.

Die Geschichte der Wehr hat Christian Baaij aufgearbeitet und dazu unter anderem folgendes vorgetragen:

Die Periode 1877 bis 1927

Bereits in den ersten Jahren nach 1877 hat die Feuerwehr reichlich Gelegenheit ihr Können unter Beweis zu stellen.

In den Jahren 1881 und 1882 musste die Feuerwehr drei Mal für einen Großbrand ausrücken. Erstaunlicherweise in allen drei Fällen nicht hier, sondern in Weil. Dass wir von diesen Vorgängen Heute noch wissen, verdanken wir wie so oft nur dem lieben Geld. Und daraus lernen wir auch etwas über das Verhältnis zwischen Breitenstein und Weil im Schönbuch, und darüber dass das Vertrauern in die Verwaltung in Weil damals noch nicht sehr groß war. Die Akten sagen nämlich: „Die durch die Breitensteiner Löschmannschaft bei den Löscharbeiten in Weil angefallenen Verzehrskosten sollen von der Gemeinde Weil gezahlt werden. Im Falle der Ablehnung zahlt die Gemeindekasse Breitenstein.“

Die gegenseitige Unterstützung zwischen den einzelnen Orten in der damaligen Zeit bei Brandkatastrophen war allerdings sehr groß. So lernen wir aus den Gemeinderatsprotokollen aus Neuweiler aus dem Jahre 1882: „Der Gemeinderat hat auf Anregung des königlichen Oberamtes beschlossen, bei Brandfällen in Breitenstein zusätzlich zur Feuerlöschmannschaft unter Aufsicht des Gemeinderates jedes geeignete Frauenzimmer mit je einer Wasserpülte zur Unterstützung nach Breitenstein zu senden“

Die Moral dieser Geschichte: bereits vor über hundert Jahren waren die drei Feuerwehren auf einander angewiesen. Sehr erfreulich also, dass diese Tatsache in der gemeinsamen Strategie „2000 plus“ nun auch seine formale Bestätigung bekommen hat. Bei unseren Nachforschungen ist der Eindruck entstanden, dass die Breitensteiner Feuerwehr in ihren Anfangsjahren mehr mit der Bürokratie als mit dem Feuer zu kämpfen hatte. Die schöne Tragfeuerspritze war viele Jahren lang Streitpunkt zwischen der hiesigen Gemeinde und dem königlichen Oberamt.

  • Deutlich wird dies bereits im Jahre 1886, wenn wir erfahren: „die Anschaffung einer vierrädrigen einstrahligen Saugspritze wird solange ausgesetzt bis die Kosten durch Umlagen gedeckt sein werden. Grund: die hiesige Tragfeuerspritze leistet im Effekt mehr als die gesetzlich vorgeschriebene.“
  • Die Tragweite der finanziellen Probleme wird ebenfalls im Jahr 1886 deutlich. Die Kosten der Spritze würden etwa 1.000 Mark betragen. Der normale Jahreshaushalt der Gemeinde beträgt jedoch nur 700 Mark. Man spricht damals von Gemeindeschaden. Beschlossen wird, jährlich 125 Mark für die Spritze anzusparen und will diese im Jahr 1896 haben, also in 10 Jahren.
  • Eine interessante Meldung lesen wir im Jahre 1890: „die vermehrten Übungen mit der alten tragbaren Spritze erweisen sich für die Bedienungsmannschaften als zunehmend belästigend“. Ob die Mannschaften zunehmend schwächelten, oder einfach nur bequemer wurden, verrät uns die Unterlage leider nicht. Dennoch sieht sich die Gemeinde immer noch nicht in der Lage, das Geld für die Spritze freizugeben.
  • Die Anschaffung erfolgt letztendlich doch früher als ursprünglich vorgesehen, denn im Jahre 1891 wird der Auftrag für einen Betrag von 925 Mark an den Feuerwehrspritzenfabrikanten Kurz in Stuttgart vergeben.

Aus der Korrespondenz mit dem königlichen Oberamt aus diesen Jahren finden wir oft Anmahnungen, doch endlich in Breitenstein die Bestimmungen der Landesfeuerwehrordnungen umzusetzen. Jahrzehntelang nahm die kleine Gemeinde diese Aufforderungen überwiegend aus finanziellen Überlegungen aber nicht ernst. Erst nach unserem Gründungsjahr 1877 wird dies langsam besser. Aber es dauert noch bis 1886, bis wir lesen können, dass mit dem Lammwirt Christian Schlecht erstmals ein Kommandant in Übereinstimmung mit den Landesverordnungen gewählt wird.

Die Periode 1927 bis 1945

In 1927 wird Breitenstein an die öffentliche Wasserversorgung angeschlossen. In vielen Gemeinden markiert dieses Ereignis eine wichtige organisatorische Veränderung bei der Feuerwehr. Das aufwendige Herantragen von Löschwasser ist nicht mehr erforderlich und daher können die Feuerwehren stark verkleinert werden. Meistens werden dabei die Feuerwehren von noch teilweise Pflichtfeuerwehr auf rein freiwillige Feuerwehren umgestellt.

Auch in Breitenstein ist dies der Fall. Allerdings erfolgt dies erst knapp zwei Jahre später. Diese Geburtsurkunde der rein freiwilligen Feuerwehr Breitenstein vom 28.3. 1929 ist uns zum Glück noch erhalten geblieben.

Aus dieser Periode stammt auch das älteste Bild, das wir von unserer Feuerwehr haben. Es wurde am 19. Juli 1928 beim Bezirksfeuerwehrfest in Magstadt aufgenommen.

Was bedeutet es, keine Pflichtfeuerwehr mehr zu haben, sondern nur noch eine rein freiwillige? Darüber lesen wir etwas im Gemeinderatsprotokoll vom 6. Juni 1936.

Dieser Text ist so aufschlussreich, dass ich ihn Ihnen nicht vorenthalten möchte:

“Der Bürgermeister trägt vor, wie hoch die Feuerwehrabgabe der Feuerwehrpflichtigen für 1936 angesetzt werden soll. Abgabepflichtig sind sämtliche gesunde Männer in der Gemeinde im Alter von 20-50 Jahren, soweit dieselben der freiwilligen Feuerwehr nicht angehören, es wird beraten und verhandelt. Der Kommandant u. Beigeordnete Steck äußert sich, er habe die Erfahrung gemacht, daß wenn die Abgabe hauptsächlich bei den Jüngeren, welche den Nachschub bilden zu nieder sei, dieselben kein Interesse an der freiwilligen Feuerwehr haben und zum Ausdruck bringen, einige Mark jährlich zu bezahlen sei besser als fünf oder sechs mal Übungsdienst machen.

Der Bürgermeister beschließt mit Einverständnis der Kollegen:

1. Die Feuerwehrabgabe für 1936 für die Verheiratete auf 3 M, für die Ledigen auf 4 M festzsetzen mit Ausnahme einigen, welche höheres Einkommen haben....”

Soweit dieses Zitat. Die Freiwiligkeit war also noch ein recht dehnbarer Begriff, und die Männer mussten mittels Abgaben zu der Freiwilligkeit gezwungen werden. Im Verlauf des zweiten Weltkrieges hörte die Feuerwehr faktisch auf zu bestehen und zum Schluss gab es unter der Leitung von Karl Heimerdinger lediglich eine mit Frauen besetzte Ersatzfeuerwehr.

Die Periode nach 1945

Im Jahr 1946 wurde nach Kriegsende die Feuerwehr neu formiert. Dieser Wiederaufbau unter der Leitung von Karl Jauß war sicher nicht einfach und hat sehr viel Geduld verlangt. Viele Männer waren noch in Gefangenschaft und die Abkehr von Uniformen und Disziplin war riesengroß.

1982 wurde nach über 3.000 Arbeitsstunden der Feuerwehrmänner das neue Gerätehaus errichtet.

Die Feuerwehr in der Gegenwart

Soweit der kurze Streifzug durch die Geschichte unserer Feuerwehr. Über die Rolle einer Feuerwehr in der Gegenwart sollten wir aber auch noch zu sprechen kommen.

Wenn Sie sich die Grafik über die Einsätze der Feuerwehr in den Jahren 1946 bis 1975 ansehen, dann wird deutlich, dass es jahrzehntelang keine große Belastung war, Feuerwehrmann in Breitenstein zu sein. Sehen wir uns die gleiche Grafik für die Jahre danach an, dann sehen Sie sofort, dass sich das gravierend geändert hat.

Nicht nur hat die Zahl der Einsätze spürbar zugenommen, sondern auch das Spektrum an verschiedenartigen Einsätzen ist stark gewachsen. Hierin spiegelt sich natürlich auch das rasante Wachstum unseres Dorfes während den letzten Jahrzehnten wieder, sowie die zunehmende Zahl an Fahrzeugen in der Gemeinde. Ölunfälle gehören bereits zu den am häufigsten vorkommenden Einsätzen unserer Feuerwehr.

Somit haben die Anforderungen an der Feuerwehr aber auch der Stress für die Feuerwehr in den letzten Jahren rasant zugenommen. Zum Glück gelingt es unsere Feuerwehr sich von diesen Stress nicht anstecken zu lassen und ganz locker zu bleiben, wie ich im Fotoalbum der Wehr feststellen konnte.

Diese so stark gewachsene Aufgaben kann eine Feuerwehr natürlich nur dann gerecht werden, wenn sie sich permanent weiter ausbildet, und wenn sie eine sich immer auf den erforderlichen Stand befindende Ausrüstung hat. Für das laufende Jahr sieht unsere Feuerwehr mit Spannung die Auslieferung ihres neuen Fahrzeuges entgegen. Sonst ist, glaube ich wenigstens, unsere Feuerwehr hervorragend ausgerüstet.

Auch wenn bei einer Gelegenheit wie dieser auf lockere Weise über die Feuerwehrgeschichte berichtet wird, sollten wir nie vergessen, dass die Feuerwehr im Grundsatz eine ernste Angelegenheit ist. Und wenn Breitenstein auch nur ein kleines Dorf ist, und nicht vergleichbar mit eine Weltstadt wie New York, sind die Anforderungen an die Mitglieder der Feuerwehr dennoch in erstaunlich hohem Maße vergleichbar. Niemand kann sagen wann, wo und in welcher Härte das Schicksal zuschlägt, und wie man tagelang bis zum Äußersten gefordert werden kann. Dieses ständige Gefühl: „wann geht der Alarm das nächste Mal, und was bringt er uns diesmal?“, begleitet alle Feuerwehren weltweit rund um die Uhr.

 
4803 Zugriffe, zuletzt am 23.09.2017, 04:08:03