Home > Aktuelles > Wiederaufnahme der archäologischen Grabung im Lachental (31.07.2002)

31.07.2002
Wiederaufnahme der archäologischen Grabung im Lachental
Bild

Im Lachental wird seit dem 21. Juli wieder emsig gearbeitet. Diesmal ist die Grabungsfläche erheblich erweitert worden, Optisches Kennzeichen sind die großen Abraumberge östlich und westlich der Grabungsstätte. Die Eberhard-Karls-Universität Tübingen, Institut für Ur- und Frühgeschichte und Archäologie des Mittelalters, Abteilung Archäologie des Mittelalters, setzt die seit zwei Jahren laufenden Grabungen im Gebiet der hochmittelalterlichen Eisenverhüttung fort. An eine 14-tägige Lehrgrabung wird sich eine Grabungskampagne anschließen, die bis in den September hinein laufen wird.

Wie berichtet konnten im vergangenen Jahr archäologisch interessante Erkenntnisse erarbeitet werden. Die archäometrische Untersuchung der Reste des Schmelzofens ergab ein letztes Befeuerungsdatum im Jahre 1100n.Chr. + 100/ - 150 Jahre. Dazu passt die Aussage der dendrochronologischen Untersuchung (Zählung nach Jahresringen) eines Eichenholzpfostens, der auf der Grabung gefunden wurde, mit einem Fälljahr zwischen 1066 und 1096 n.Chr. Auch die aufgefundenen Keramikscherben passen chronologisch in diesen Zeitabschnitt. Somit erfolgte die Eisenverhüttung im Lachental fast 100 Jahre vor Gründung des Klosters Bebenhausen. Sie liegt zeitlich auch vor der ersten schriftlichen Erwähnung von Weil im Schönbuch.

Projektleiter der diesjährigen Grabung ist Dr. Rainer Schreg, Assistent von Frau Prof. Dr. Barbara Scholkmann. Die örtliche Grabungsleitung liegt in den Händen von Uwe Meyerdirks MA (University of London). Eingebunden ist die Grabung in das Forschungsvorhaben "Studien zur räumlichen Organisation der Eisenverhüttung des Hohen Mittelalters in Südwestdeutschland".

Ziel der Grabung ist es unter anderem, die sich im vergangenen Jahr abzeichnende Tendenz für das Vorhandensein von Bebauungen im Grabungsareal zu bestätigen. Verhüttungsofen und Bebauung sind Merkmale, die den Fundplatz Lachental von anderen Verhüttungsplätzen unterscheiden und wichtige Erkenntnisse zur technologischen Entwicklung, räumlicher Organisation, siedlungstopographischer Lage, und zur wirtschaftgeschichtlichen und herrschaftlichen Einbindung der Eisenverhüttung vermitteln können.

Auch in dieser Grabungskampagne werden wir interessierte Bürgerinnen und Bürger aus Weil im Schönbuch und Umgebung wieder regelmäßig am Freitag nach Beendigung der Arbeit über die Ergebnisse der Grabung vor Ort informieren. Das jeweilige Datum wir rechtzeitig im Mitteilungsblatt oder der regionalen Tagespresse veröffentlicht.

Karl-Heinz Münster M.A.

 
5005 Zugriffe, zuletzt am 25.09.2017, 10:24:43