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12.07.2007 Veröffentlichungsdatum: 12.07.2007
Waldbegehung als Gemeinderatssitzung am 06.07.2007
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Die Gemeinderatssitzung am Freitag, den 6. Juli 2007ab 16.00 Uhr mit einer anschließenden Waldbegehung stand ganz im Zeichen der sogenannten Forsteinrichtungserneuerung für die Jahre 2007 bis 2016, die in der Regel alle zehn Jahre erfolgt und Bilanz zieht über den aktuellen Zustand des Waldes und die bisherige Nutzung sowie einen Ausblick gibt über die künftige Nutzung im kommenden Jahrzehnt.

Als Forsteinrichter hat Oberforstrat Frank Kapahnke vom Regierungspräsidium Stuttgart den von ihm aufgestellten Entwurf des periodischen Betriebsplanes erläutert und die wichtigsten Inhalte draus angesprochen. Demnach umfasst die heutige forstliche Betriebsfläche mit 409,9 ha (Holzbodenfläche 396,7 ha; Nichtholzbodenfläche 13,2 ha) eine um 1,3 ha größere Fläche gegenüber dem Bestand von vor 10 Jahren.

Im Vergleich zur Voreinrichtung 1995 ist der Nadelholzanteil im wesentlichen durch eine Abnahme der Fichte um 9 % - Punkte und der Kiefer um 2 % - Punkte von 48 % auf aktuell 37 % zurückgegangen. Dementsprechend hat sich der Laubholzanteil durch eine Zunahme der Buche und der Eiche um 2 % bzw. 3 % - Punkte sowie der sonstigen Laubbäume einschließlich Bergahorn und Esche um 7 % - Punkte von 52 % auf 63 % erhöht. Ausschlaggebend  für den Rückgang der Fichte und auch der Kiefer sind die Sturm- und Käferschäden mit nachfolgendem Anbau von Eiche oder Buntlaubholz. Das langfristig angestrebte Baumartenverhältnis wurde über die erwünschte Baumverteilung innerhalb der Waldentwicklungstypen hergeleitet. So ergibt sich eine zukünftig angestrebte Gesamtrelation von 73 % Laubholz zu 27 % Nadelholz, was gegenüber dem derzeitigen Verhältnis noch mal eine Steigerung des Laubholzes um 10 % - Punkte bedeutet.

Im Gemeindewald wurden neun Waldentwicklungstypen ausgeschieden. Der Schwerpunkt liegt mit 85 % eindeutig bei den Laubbaummischwäldern (Buchen - Laubbäume - Mischwald, Buchen - Nadelbäume - Mischwald, Stieleichen - Mischwald). Der derzeitige „Vorrat" liegt bei 125.946 Vorratsfestmetern, was einem Hektarbewuchs von 318 Festmeter entspricht. Die Abnahme des Vorrats pro Hektar von 332 auf 318 Vorratsfestmeter seit der letzten Forsteinrichtung ist auf die Sturm- und Käferschäden im abgelaufenen Jahrzehnt zurück zu führen.

Der Verjüngungsvorrat im Gemeindewald Weil im Schönbuch mit 99 ha ausschließlich aus Naturverjühgung bestehend, setzt sich vor allem aus Buche zusammen. Insgesamt ist er auf 25 % der gesamten Holzbodenfläche vorhanden. Bezogen auf die hierfür bedeutsamen Bestände mit einem Alter größer als 60 Jahre sind es 39 % Holzbodenfläche. Der Naturverjüngungsvorrat ist der Vorrat an jungen Bäumen in geschlossenen, älteren Beständen. Er ist ein kostenloses Geschenk der Natur, gewissermaßen der Wald von morgen, und gibt Aufschluss über das Potential, mit dem künftig bei der Verjüngung der Altbestände gearbeitet werden kann.

Das Wald-/ Wildverhältnis im Gemeindewald Weil im Schönbuch ist insgesamt als ausgeglichen zu werten. Starker Verbiss wurde nirgends festgestellt. Rotfäule an Fichten tritt auf einer insgesamt geschädigten Fläche von 11 ha nicht nur in standortswidrigen Fichtenbeständen, sondern auch durch alte Schälschäden bedingt auf. Dürreschäden an Buchen und Eichen, z.T. auch an Kiefern, sind insbesondere seit dem trockenen Sommer 2003 verstärkt zu beobachten. Bei der Jungbestandspflege steht einer geplanten, hochgerechneten Mehrfachfläche von 102,7 ha ein Vollzug von 82,6 ha gegenüber. Bei der Durchforstung beläuft sich mit 231,3 ha Vollzug bedingt durch Sturm weggefallene Durchforstungsflächen auf nur 69 % des hoch gerechneten Planwertes der Mehrfachfläche von 337,5 ha.

Das betriebswirtschaftliche Ergebnis stellt sich so dar, dass den Einnahmen von insgesamt 1.358.700 Euro Ausgaben in Höhe von 1.572.873 Euro gegenüber stehen, also ein Defizit von insgesamt 214.173 Euro erwirtschaftet wurde. Es wurden demzufolge im Durchschnitt 1,16 Euro ausgegeben, um einen Euro zu erwirtschaften.

Die neue Planung sieht bei einem jährlichen Hiebsatz auf 7,1 ha eine Gesamtnutzung von 28.300 Erntefestmetern (Efm) vor. Der Vornutzungsanteil (Durchforstungsbereich) macht bei einer Arbeitsfläche von 177 ha 41 % der geplanten Gesamtnutzung aus. Ziel der Durchforstungsmaßnahmen ist einerseits die Steigerung der Stabilität, andererseits die Lenkung des Zuwachses auf die vitalsten und qualitativ besten Bestandesglieder. Die Hauptnutzung incl. der Nutzung im Dauerwald beläuft sich auf 59 % der Gesamtnutzung. Sie gliedert sich in 12.801 Efm Vorratspflege (77 %), 3.648 Efm Verjüngungshiebe (22 %) und 108 Efm Nutzung im Dauerwald (1 %). Der Schwerpunkt liegt hier eindeutig auf der Vorratspflege und der einzelstammweisen Nutzung. Die umfangreichen Verkehrssicherungsmaßnahmen auf einer Länge von insgesamt 15,5 km - davon 6,5 km entlang von öffentlichen Straßen, 3 km an Ortsverbindungsstraßen, der Rest an Wochenendhausgebieten, Schönbuchbahn, Sportanlage und Erholungsschwerpunkten (Weiler Hütte, Hauptwanderwegen) - sind bei der geplanten Nutzung berücksichtigt. Die vorgesehenen Verjüngungsmaßnahmen auf 9,8 ha sollen zu 62 % über Naturverjüngung realisiert werden. Das Verjüngungsgeschehen erfolgt zu 96 % bzw. mit 9,4 ha in Laubholztypen. Auf einer Bestandesfläche von insgesamt 85,2 ha sind 81,4 ha  im Zuge der Jungbestandspflege zu bearbeiten.

Den Beratungen war eine Zieldiskussion zur Bewirtschaftung des Weilemer Gemeindewaldes seitens der Unteren Forstbehörde des Landratsamtes mit der Gemeindeverwaltung vorausgegangen. Als Ergebnis bleibt unter anderem festzuhalten, dass im Rahmen der Nutzfunktion des Waldes eine betriebswirtschaftlich ausgeglichene Bilanz angestrebt wird. Bezüglich der Erholungsinfrastruktur soll der bisherige Aufwand reduziert werden. Die Prüfung einer Ausweisung von Reitwegen soll erfolgen. Mit der Zertifizierung des Gemeindewaldes hat sich die Gemeinde Weil im Schönbuch zum Erhalt und zur Schaffung gesunder vitaler Waldökosysteme bekannt. Die Umsetzung der Bewirtschaftungsziele erfolgt durch das Konzept der naturnahen Waldwirtschaft (Baumartenwahl auf standörtlicher Grundlage, Verjüngung des Waldes i.d.R. über Naturverjüngung, angepasste Wildbestände, pflegliche Waldarbeit mit einer entsprechend dauerhaften Feinerschließung der Bestände). Das Oberziel stellt die Nachhaltigkeit aller Waldfunktionen, Nutz-, Schutz- und Erholungsfunktion, dar.

Auf einem gut einstündigen Rundgang im Oberen Wald (Distrikt 5) hat sich der Gemeinderat anschließend unter der fachkundigen Führung von Oberforstrat Frank Kapahnke und Revierleiter Walter Langer auch von der praktischen Seite her über die Waldentwicklung informieren lassen. Angesprochen wurden auf den Schauplätzen bzw. Stationen die Funktionen Erholung und Lebensraum für Pflanzen und Tiere  sowie ökologische Überlegungen samt Baumartenbeschaffung und -bestände, Arbeitstechniken, Käferbefall, Verjüngungsvorräte und weiteres mehr.

Bürgermeister Wolfgang Lahl hat den Forstfachleuten  für die geleistet Arbeit gedankt und zum Ausdruck gebracht, dass das Forstrevier Weil im Schönbuch in den vergangenen Jahren durch verantwortungsvolles, wirtschaftliches und zukunftsgerichtetes Handeln unseren Gemeindewald sehr gut betreut und gepflegt hat.

Der Gemeinderat hat die Forsteinrichtungserneuerung für die Jahre 2007 bis 2016 einstimmig verabschiedet.

 

 

 

 
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