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31.10.2008 Veröffentlichungsdatum: 31.10.2008
Veranstaltung mit Politikerin Claudia Roth
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„Wir können auf die Kompetenz von Frauen nicht verzichten"

Das sagte die Grünen-Chefin Claudia Roth am vergangenen Donnerstag bei der Waldhaus-Veranstaltung im Gewerbegebiet Lachental. Die Waldhaus gGmbH aus Hildrizhausen hatte die Vorsitzende von Bündnis 90/Die Grünen eingeladen, um in der Veranstaltungsreihe „Starke Frauen braucht das Land" über das Thema „Gleichberechtigung" zu sprechen. Basis war das gemeinsame Projekt „Was schaffst Du" der Schönbuchgemeinden unter der Projektverantwortung von Kati Haufe vom Waldhaus.

Mehrere Schulklassen der Grund- und Hauptschule, Gemeinderäte, Bürgermeister der Schönbuchgemeinden und viele interessierte Bürgerinnen und Bürger hatten den Weg gefunden in das große Zelt auf dem Firmengelände der Fa. Speidel, um sich von der Meinung der Bundespolitikerin ein Bild zu machen.

Chancengleichheit in ihren verschiedenen Ausprägungen war das Thema von Bürgermeister Wolfgang Lahl in seiner Begrüßung und Einleitung. Er ging besonders auf die Bedeutung von schulischer und beruflicher Ausbildung und die derzeit ungleiche Verteilung der Bildungschancen ein. „Wir haben eine Verpflichtung zur Bildungsmöglichkeit", so der Bürgermeister. Die volkswirtschaftliche und soziale Verantwortung machten es notwendig, auf die ungleich verteilten Bildungschancen zu reagieren. Die Schönbuchgemeinden sah der Bürgermeister dabei auf einem guten Weg. Das europaweit einzigartige gemeinsame Projekt „Was schaffst Du" sei weit mehr als eine Ausbildungsplatz- oder Praktikavermittlung. Die inzwischen kreisweiten Patenaktionen, die Aktionen von Bürger für Bürger oder die Ausweitung der Sprachförderung durch die Gemeinde Weil im Schönbuch seien wichtige Bausteine auf diesem Weg.

„Die Bundespolitik, Länder, Gemeinden und die Unternehmen haben die Pflicht, jedem jungen Menschen Bildungschancen zu eröffnen, egal ob aus bildungsfernen oder bildungsnahen Familien. Appelle reichen nicht, handeln ist wichtig." Seine Forderung unterstrich Bürgermeister Wolfgang Lahl mit örtlichen Beispielen wie „Was schaffst Du", der erweiterten Sprachförderung in Weil im Schönbuch, dem Patenmodell oder die „offene Tür" der Grund- und Hauptschule für alles, was dem beruflichen Fortkommen der Schülerinnen und Schüler dient.

An die Betriebe der Schönbuchlichtung richtete der Bürgermeister die Aufforderung, Praktikums- und Ausbildungsplätze anzubieten. „Geben Sie unserer Jugend die Chance, die sie verdient hat. Machen Sie die Tür auf, wenn Frau Haufe von „Was schaffst Du oder ein Ausbildungspate anklopft", so Bürgermeister Wolfgang Lahl.

Mit einem herzlichen Dank an das Waldhausteam, Rektor Karl Heinz Hartmann und Claudia Roth leitete der Bürgermeister auf die nächsten Beiträge des Nachmittags über.

Rektor Karl Heinz Hartmann berichtete über das in der Grund- und Hauptschule schon früh aufgegriffene Thema Berufsleben und Berufswahl. Beginnend mit der Darstellung von Berufsfeldern in Klasse 5 über mehrere „Talentechecks" hin zu vertiefter beruflicher Orientierung mit Praktika und individueller Beratung sei das Hinführen und Vorbereiten auf das Berufsleben ein roter Faden durch die Schule.

Karl Heinz Hartmann forderte dazu auf, nicht nur über die klassische geschlechterbezogene Berufsverteilung nachzudenken. Tugce und Tanja aus der Hauptschule berichteten, weshalb Mechatronikerin und Polizistin ihre Traumberufe sind.

„Alle haben eine Zukunft nach der Hauptschule," dieses Ziel formulierte Rektor Karl Heinz Hartmann  zum Schluss seiner Rede.

„Von der Zitadelle der Macht in das richtige Leben..."

hatte sich die Grünen-Chefin Claudia Roth begeben. Ihr Einsatz für Chancengleichheit sei Auswirkung ihre drei wichtigen Grundthemen Demokratie, Menschenrechte und Gerechtigkeit. Eine wirkliche Gleichberechtigung von Männern und Frauen gebe es derzeit in Deutschland nicht. Als Beispiele nannte Claudia Roth Einkommensunterschiede bei gleicher Tätigkeit und das Fehlen von Frauen in Führungspositionen. Dabei könnten viele Unternehmen von der fachlichen Kompetenz von Frauen und ihrer anderen Herangehensweise an viele Problemstellungen profitieren.

Die Politik forderte die prominente Gastrednerin auf, andere Rahmenbedingungen zu schaffen. Kind, Karriere und Beruf dürften sich nicht ausschließen. Ein Umdenken forderte Claudia Roth bei der Berufswahl. Zwei Drittel aller Mädchen würden sich heute auf 8 Berufe konzentrieren. Auch die Männer seien gefordert, sei es bei der Berufswahl oder bei der stärkeren zeitlichen Einbeziehung in die frühkindliche Erziehung.

„Wir brauchen jedes Kind für morgen" meinte Claudia Roth. Deswegen müsse der Ausbau der Kindertagesbetreuung forciert werden und das gesellschaftliche Vorurteil der Rabenmutter abbaut werden. Der Geldbeutel der Eltern dürfe bei den Bildungschancen nicht entscheidend sein.

Eine gesellschaftliche Herausforderung sah die Politikerin in der Integration von Menschen mit Migrationshintergrund. Zweisprachigkeit und anderer kultureller Hintergrund seien Chancen und dürften nicht vergeudet werden.

Ansätze, um diese Ziele zu erreichen, sah Claudia Roth zunächst in der grundsätzlichen Struktur des Bildungswesens. Dass die Föderalismusdiskussion nicht zur Gesamtverantwortung des Bundes für das Bildungswesen geführt habe, bezeichnete sie als Fehler. Wie im öffentlichen Dienst sollte auch in der Privatwirtschaft eine gesetzlich verankerte Gleichstellung eingeführt werden.

Mehr vom aktuellen politischen und wirtschaftlichen Geschehen geprägt waren die anschließenden Fragen an Claudia Roth, beispielsweise wie die Politik die Wirtschaft verpflichten kann, sich moralisch und ethisch korrekt zu verhalten.

Zum Abschluss der Veranstaltung im Zelt brachte Bürgermeister Wolfgang Lahl seinen Dank an alle Teilnehmer, Rednerinnen und Redner, Organisatoren, das Waldhausteam um Hans Artschwager und an die Firma Speidel zum Ausdruck.

Claudia Roth nutzte anschließend die Gelegenheit, sich über die Firmen Speidel kreativer Innenausbau GmbH und Biste Garten & Ambiente zu informieren.

 

 
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