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26.04.2012 Veröffentlichungsdatum: 26.04.2012
40 Jahre Weil im Schönbuch mit Neuweiler und Breitenstein
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Am vergangenen Donnerstag hatten sich rund 50 Personen eingefunden, um an der Feierstunde zum 40jährigen Bestehen der Gemeinde Weil im Schönbuch in der heutigen Form teilzunehmen. Im festlich geschmückten Bürgersaal konnten sich die Gäste an Grußworten des Bürgermeisters und der Ortsvorsteher, einem Festvortrag von Dr. Gerhard Betsch und musikalischen Beiträgen des jungen Streichorchesters erfreuen.

Die eine Generation baut die Straße, auf der die nächste fährt

Mit diesem chinesischen Sprichwort begann Bürgermeister Wolfgang Lahl seine Rede, die den Schwerpunkt bei den Auswirkungen des Zusammenschlusses zu einer Gesamtgemeinde vor 40 Jahren hatte. Am bedeutendsten, so der Bürgermeister, war die in beiden Verträgen festgeschriebene Erhaltung des Ortscharakters und des örtlichen Brauchtums. Dieses wichtige Thema ist auch heute noch richtigerweise in den Ortschaften und in der Kommunalpolitik präsent, betonte er und belegte dies mit einem Leitbild aus dem 2007 beschlossenen Gemeindeentwicklungsplan. Dort heißt es: Die Gliederung der Gesamtgemeinde in drei Ortschaften mit individuellem Erscheinungsbild soll erhalten bleiben.

Gesamtgemeinde, so der Bürgermeister, ist also kein Gleichmachen, sondern ein individuelles Entwickeln mit gemeinsamer Zielrichtung.

In seiner Rede betonte er das Engagement der Ortschaftsräte im Zusammenwirken mit dem Gemeinderat. Die Beteiligungs- und Vorschlagsrechte der Ortschaftsräte hätten eine wichtige Funktion, wenngleich nicht jedem Vorschlag oder Antrag zugestimmt werden könne, da eine Abwägung im Hinblick auf die Gesamtgemeinde stattfinden müssen. Wenn auch manche viele Empfehlungen der Ortschaftsräte nicht umgesetzt werden können, so gehen sie dich in die politische Gesamtbewertung ein.

Zum Schluss kam der Bürgermeister auf sein Eingangszitat zurück: Die von der Generation vor 40 Jahren gebaute Straße hat heute genügend Seitenstraßen für jede Ortschaft, aber auch ein gut befestigte Hauptstraße für die gemeinsamen Ziele wie eine lebenswerte Gemeinde über alle Generationen.

Bei einer Schachtel Pralinen weiss man nie, was alles dabei ist

Diesen bildhaften Vergleich zog Ortsvorsteherin Silvia Bühler heran. Sie sah für Neuweiler seit der Eingliederung vor 41 Jahren eine gute Entwicklung mit mehr als doppelt so vielen Einwohnern und einer guten baulichen Entwicklung. Als Beispiele für alleine deutlich schwerer umzusetzende Bereiche sprach sie den Kindergarten und die Schule, die Wasserversorgung und die Abwasserbeseitigung an. Als großen Vorteil Neuweilers sah sie die Ruhe und Beschaulichkeit, die viele pendelnde Berufstätige dazu bewogen haben, sich hier niederzulassen. Als sehr wichtig für Neuweiler und für Breitenstein bezeichnete sie die in den Ortschaften vorhandenen Lebensmittelgeschäfte.

Mit dem Wunsch nach weiteren Pralinen wie einer Champagnertrüffel (Umgestaltung der Neuweiler Ortsmitte) und zwei Nuss-Nougat-Ecken (Anpassungen an den beiden Ortseingängen) kam die Ortsvorsteherin am Ende ihres Grußwortes auf den eingangs gewählten Vergleich zurück.

Eine Smaragdhochzeit für die drei Ortschaften

So sah Ortsvorsteher Thomas Müller das 40jährige Jubiläum der Gesamtgemeinde am 1. April 2012, zumal der Smaragd ein Symbol für Hoffnung, Weisheit und Inspiration sei. Aus den damals getroffenen Vereinbarungen, die keinesfalls Aprilscherze waren, sei inzwischen jede Menge Neues entstanden. Und nach so langer Zeit seien sich die Partner vertraut geworden und kennen die Sorgen und Wünsche des Anderen. Beide Partner, so der Ortsvorsteher, müssten aufmerksam und rücksichtsvoll sein und sich gegenseitig unterstützen.

In seinem Schlusswort betonte er, dass in der Zwischenzeit viel erreicht wurde. Der Maßstab müsse jedoch der Vergleich mit früher sein und nicht das reine Wunschdenken.

Drei Ortschaften - eine Gemeinde

Dr. Gerhard Betsch hatte auf Bitte der Gemeinde die Aufgabe übernommen, bei dieser Feierstunde über die Hintergründe der Gemeindereform zu sprechen und hielt einen äußerst informativen und interessanten Vortrag, der nicht nur auf die direkte örtliche Ebene einging, sondern durch ergänzende Hintergrundinformationen die Verbindung zur größeren Politik bis hin zur Potsdamer Konferenz im Sommer 1945 darstellte.

Im Endeffekt, so Dr. Betsch, bewirkten das Wirtschaftswunder der Jahre 1950 - 1965, der damit verbundene Bauboom mit vielen Neubauten auf dem Land und die enorme Steigerung der persönlichen Mobilität, dass die Infrastruktur der damals vielen kleinen Gemeinden überfordert wurde. Als Ergebnis wurden zunächst die Kreisreform und anschließend die Gemeindereform unternommen. Wichtige Ziele waren

•-          die Schaffung gleichwertiger Lebensverhältnisse

•-          die Stärkung der Selbstverwaltung

•-          freiwillige Zusammenschlüsse, wo immer möglich.

Erste Überlegungen dazu gab es bereits 1955. Weil aber erst 1970, nach einer Volksabstimmung in Baden, der neue Südweststaat „Baden-Württemberg" unangefochten war konnten die Kreis- und Gemeindereform erst ab 1970 konkret umgesetzt werden. Vor dem Hintergrund der finanziellen Förderung von Eingliederungen durch das Land Baden-Württemberg und im Wissen, dass irgendwann Zwangseingliederungen kommen werden entschieden sich Neuweiler und Breitenstein, mit Weil im Schönbuch zusammen zu gehen.

Wie seine Vorredner hob Dr. Betsch in seinem Vortrag hervor, welch großer Wert von den damals Handelnden auf die Wahrung der örtlichen Eigenart und die gleichmäßige Förderung der Menschen und Einrichtungen in den drei Ortschaften gelegt wurde. Die Einführung der unechten Teilortswahl und der Ortschaftsverfassung waren wesentliche Bestandteile der Eingliederungsvereinbarungen.

In seiner Schlussbetrachtung hob Dr. Betsch die aus seiner Sicht bedeutenden Aspekte des heutigen Zusammenlebens wie ein reges Vereinsleben, des immer noch vorhandenen traditionellen Handwerks und des Netzwerks der persönlichen Hilfen hervor und wünschte sich, dass dieses erfreuliche menschliche „Binnenklima" erhalten bleiben möge. Mit dem Wunsch, dass das Bürgerhaus bald gebaut werden könne schloss er seinen informativen und lebendigen Vortrag.

Musikalisch umrahmt wurde die Feierstunden von Erich Scheuermann am Flügel und Bettina Wald an der Viola, die. so Herr Scheuermann als geborene Neuweilerin und heutige Weilemerin ganz bewusst ausgewühlt wurde.

Im Anschluss konnten sich die ca. 45 Festgäste bei einem Stehempfang über das Jubiläum und das Gehörte austauschen.

Die Gemeinde bedankt sich ausdrücklich bei Herrn Dr. Gerhard Betsch und bei dem jungen Streichorchester für die Unterstützung bei der Gestaltung dieses Abends.

 

 
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